Frauen

Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht

Simone de Beauvoir

Frauen, Feminismus, Genderfrage

Wenn es um das Thema Frauen geht, schalten sich schätzungsweise 96% aller Männer inhaltlich ab, bei den übrigen ist immer einer dabei, der die das Thema ansprechende Frau in die Frauenliga einer Bewegung schicken will und in Männermanier zur Tagesordnung zurückfindet.

Es gibt die Ansicht, dass sich hier zeigt, dass wir weniger vom Feminismus als vielmehr vom MASKULINISMUS sprechen sollten. Ein seit Urzeiten niedergeschriebenes religiös- gesellschaftspolitisches Konzept, dass die Männer in die Öffentlichkeit und die Frauen in die Privatsphäre und Familie sortiert.
Männer gemeinsam in der Öffentlichkeit machen die Politik (die Regeln). Die Frauen derweil allein hinter dem einzelnen Mann, halten diesem den Rücken frei und erledigen die existenzsichernde Arbeit. Ohne Chance auf Teilnahme am politischen Geschehen.

So sind die Machtverhältnisse klar verteilt. Wenn Frau zu einer unabhängigen Identität finden will, ist sie auf das Wohlwollen eines Mannes angewiesen. Frauen, die auch ohne Männer in die öffentliche Wahrnehmung gelangen, werden schlicht ignoriert, mit der Messlatte für Frauen diskreditiert oder lächerlich gemacht.

Beispiele hierfür sind zahlreich. Um nur wenige zu nennen

Hannah Ahrendt - Philosophin, die sich anlässlich der schrecklichen Ereignisse während des zweiten Weltkriegs vornehmlich mit der Frage "wie konnte es soweit kommen" sehr erfolgreich beschäftigte - sie wird in keinem Verzeichnis von Phiosophen genannt - einfach weg. Viel mehr über sie in der Biographie von Alois Prinz "Hannah Arendt oder Die Liebe zur Wahrheit". Ein Zitat sei bereits hier vermerkt: "Was Sie verstört, ist, dass meine Argumente und Herangehensweise sich von dem unterscheiden, was Sie gewohnt sind: mit andren Worten: das Ärgerliche ist, dass ich unabhängig bin. Damit meine ich einerseits, dass ich zu keiner Organisation gehöre und immer nur für mich selbst rede ..."

Jackie Bouvier / Kennedy / Onassis -  US-amerikanische Journalistin und Verlagslektorin. Ehefrau des 35. US-Präsidenten John F. Kennedy und damit vom 20. Januar 1961 bis zum 22. November 1963 die First Lady der Vereinigten Staaten. Sie realisierte die perfekte Welt um Ihren Mann den Präsidenten herum und trug maßgeblich dazu bei, dass er ebenfalls beliebt und erfolgreich war. Dabei stand sie als First Lady im öffentlichen Licht und wurde mit ihren Handlungen wahrgenommen, sie war mindestens ebenso beliebt, wie ihr Mann. Dieser wusste das - sie waren offenbar ein gutes Team. So sagte ihr Mann, der Präsident der vereinigten Staaten auf der gemeinsamen Reise 1961 seine öffentliche Rede in Frankreich einleitend "I am the man who accompanies Jaquelin Kennedy to Paris and I enjoy that" (ich bin der Mann, der Jackie Kennedy nach Paris begleitet und ich genieße das) - in dem aktuell erschienenen Film über sie wird sie als verwirrte, nicht ernstzunehmende, zu Lebzeiten überbewertete Persönlichkeit dargestellt.

Lady Diana - Die "Königin der Herzen". Sie glaubte an die Mär von der liebenden Ehefrau und Prinzessing an der Seite des sie zurückliebenden Mannes, des Prinzen, wurde im freien Fall mit der Realität konfrontiert und schlug recht hart auf. Ihre eigene Familie nicht mehr für ihr persönliches Schicksaal greifbar, die neue - das britische Königshaus - nicht für ihr Seelenleben sondern nur für die Erfüllung ihrer Rolle, die sie zu spielen hatte, zuständig, ebenfalls nicht ihr beistehend. So musste sie seelische übergehend in körperliche lebensbedrohliche Qualen durchleiden und outete sich in einem Interview. Dieses Outing half ihr, sich selbst und ihre Situation realistisch einzuordnen. Wieder geerdet lief sie zu Höchstformen auf, engagierte sich für Benachteiligte und befreite sich durch Scheidung aus der neuen Familie. Mit ihrem neuen Gefährten wurde sie von Paparazzi in den Tod gejagt. Die öffentliche Reaktion war unbeschreiblich intensiv. Die Queen herself musste sich vor dem Sarg von Lady Diana verneigen, obwohl diese die auf Abwege gelangte geschiedene (!) Ex-Schwiegertochter war und die Queen insofern nichts mehr anging. Elton John schrieb ein Lied - Candle in the Wind - das der kollektiven Öffentlichkeit über den Verlust hinwegzukommen half. Dafür wurde er zum Ritter geschlagen - der erste Popstar, dem dies widerfuhr - weitere folgten, sicherlich auch, um diesen ersten Popstar-Ritterschlag widerum zu verallgemeinern.
Heute wird Lady Diana als labile verlogene niedliche dumme nicht ernstzunehmende lächerliche Person dargestellt und gerät mehr und mehr in Vergessenheit - oder: Was gibt es neues von ihrem Sohn Harry, der mit seiner Ehefrau ins Exil gegangen ist?

Buch- und Filmempfehlungen

Die Epoche des Menschen (Film)

Hier geht es eher um das WIR als speziell direkt um die Genderfrage. Was tun wir mit unserem Lebensraum.
Die Dokumentation will die Auswirkungen der Menschen auf die Erde unter die Lupe nehmen. Deshalb besuchen die Filmemacher Jennifer Baichwal, Nicholas de Pencier und Edward Burtynsky zwanzig Nationen auf sechs Kontinenten und halten die Phänomene fest. Auf dem Great Barrier Reef in Australien und in der Atacama-Wüste in Chile werden die katastrophalen Folgen der menschlichen Aktivitäten auf die Natur sichtbar.

Ab 10. September im Kino - Filmvorstellung und Einblick (Minute 2:33-5:15)

Unsichtbare Frauen (Buch)
von Caroline Criado-Perez

Ein kraftvolles und provokantes Plädoyer für Veränderung!

Unsere Welt ist von Männern für Männer gemacht und tendiert dazu, die Hälfte der Bevölkerung zu ignorieren. Caroline Criado-Perez erklärt, wie dieses System funktioniert. Sie legt die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Erhebung wissenschaftlicher Daten offen. Die so entstandene Wissenslücke liegt der kontinuierlichen und systematischen Diskriminierung von Frauen zugrunde und erzeugt eine unsichtbare Verzerrung, die sich stark auf das Leben von Frauen auswirkt. Kraftvoll und provokant plädiert Criado-Perez für einen Wandel dieses Systems und lässt uns die Welt mit neuen Augen sehen.  Link

Die Unbeugsamen (Film)

Ab September 2020 im Kino Trailer

Wagenknecht (Film)

Sarah Wagenknecht gewährt durchaus persönliche Einblicke in ein Leben in der Spitzenpolitik. Das Filmteam begleitet die Politikerin bei Wahlkampfveranstaltungen und Bundestagsdebatten, aber auch zu Interviews und Arbeitsmeetings. Trailer

Hidden Figures (Film)

Ein Film über die Frauen, die bei der Nasa entscheidende Berechnungen durchgeführt haben, damit die Rakete zum Mond starten konnte Trailer

Das Mädchen Wadja (Film)

Ein ganz unspektakulär daherkommender Film über ein Mädchen, das unbedingt ein Fahrrad haben und fahren möchte und ihre Umwelt in  saudiarabischen Riad . Trailer

Lou Andreas-Salomé (Film)

Eine Biographie über die Frau, die unter einem männlichen Synonym ihr Buch veröffentlichte und promt einen Bestseller schrieb. Sie war mit Nietzsche, Ré und Rilke befreundet und wurde später auch Psychoanalytikerin. Trailer

Amy - The Girl behind (Film)

Asif Kapadia ("Senna") zeichnet in diesem Porträt ein genau recherchiertes und differenziertes Bild von der grandiosen Sängerin. - Oscar 2016 als bester Dokumentarfilm: vielschichtiges und bewegendes Porträt der 2011 verstorbenen Amy Winehouse. Trailer